Neue Zertifizierungsleistung im Aufbau: ISCC Carbon Footprint Certification

09. Okt. 2026

Product Carbon Footprints gewinnen für Unternehmen entlang globaler Wertschöpfungsketten zunehmend an Bedeutung. Mit der ISCC Carbon Footprint Certification (ISCC CFC) baut DEKRA Certification derzeit eine neue unabhängige Zertifizierungsleistung für produktbezogene Treibhausgasinformationen auf.

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, die mit ihren Produkten verbundenen Treibhausgasemissionen transparent, nachvollziehbar und belastbar zu quantifizieren. Kunden, Geschäftspartner und weitere Stakeholder erwarten zunehmend verlässliche Product Carbon Footprints (PCFs). Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Nachvollziehbarkeit und Substantiierung von Umweltinformationen.
Mit ISCC CFC hat International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) ein freiwilliges Zertifizierungssystem geschaffen, das einen standardisierten Rahmen für die unabhängige Bewertung und Zertifizierung von Product Carbon Footprints bietet. Die methodische Grundlage orientiert sich an etablierten internationalen Standards und Ansätzen zur Ökobilanzierung und zur Berechnung von Product Carbon Footprints.

Methodische Grundlagen von ISCC CFC

ISCC CFC greift etablierte internationale Standards und methodische Ansätze zur Ökobilanzierung und Product-Carbon-Footprint-Berechnung auf, insbesondere:
  • ISO 14040 – Umweltmanagement – Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen
  • ISO 14044 – Umweltmanagement – Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen
  • ISO 14067 – Treibhausgase – Carbon Footprint von Produkten – Anforderungen und Leitlinien für die Quantifizierung
  • Together for Sustainability (TfS) – Product Carbon Footprint Guideline für die chemische Industrie und ihre Lieferketten
  • GHG Protocol – international etablierter Rahmen für die Bilanzierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen
ISCC CFC baut auf diesen etablierten Ansätzen auf und konkretisiert sie durch eigene System- und Berechnungsanforderungen. Ziel ist es, die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit von Product Carbon Footprints zu erhöhen und methodische Ermessensspielräume bei der Berechnung stärker einzugrenzen.

ISCC CFC innerhalb der ISCC-Systemfamilie

ISCC CFC ergänzt die bestehenden ISCC-Zertifizierungssysteme um einen spezifischen Fokus auf produktbezogene Treibhausgasemissionen.
Während ISCC EU und ISCC PLUS vor allem Nachhaltigkeitsmerkmale, Chain of Custody und Rückverfolgbarkeit entlang von Lieferketten adressieren, konzentriert sich ISCC CFC auf die Verifizierung und Zertifizierung von Treibhausgasemissionen und Product Carbon Footprints für Rohstoffe, Prozesse und Produkte.
ISCC CFC kann als eigenständige Zertifizierung oder – für geeignete Set-ups – in Kombination mit ISCC PLUS eingesetzt werden. Das System ist derzeit nicht als uneingeschränkte PCF-Zertifizierung für beliebige Produkte ausgelegt. Zertifikate können nur für solche Produkte und Set-ups ausgestellt werden, die von den jeweils anwendbaren ISCC-CFC-Ansätzen und Technologien abgedeckt sind.

Was macht ISCC CFC methodisch besonders?

Der Ansatz geht über die reine Prüfung eines abschließenden PCF-Wertes hinaus. Geprüft werden unter anderem Methodik, Systemgrenzen, Emissionsfaktoren, Eingangsdaten, Datenquellen sowie relevante Massen- und Energieströme.
ISCC CFC baut dabei auf etablierten PCF- und LCA-Ansätzen auf, ergänzt diese jedoch um spezifische Anforderungen, die methodische Auswahlmöglichkeiten stärker eingrenzen. Damit sollen PCF-Ergebnisse transparenter, nachvollziehbarer und reproduzierbarer werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Datenqualität. Primärdaten werden bevorzugt, gleichzeitig können unter definierten Voraussetzungen auch Sekundärdaten, Datenbanken und wissenschaftliche Quellen verwendet werden. Die zugrunde liegende Berechnung muss so dokumentiert sein, dass sie durch die Zertifizierungsstelle nachvollzogen und verifiziert werden kann.

Lieferketten statt isolierter Einzelwerte

ISCC CFC verfolgt zugleich einen Supply-Chain-Ansatz. Werden CFC-zertifizierte Materialien gehandelt oder weiterverarbeitet und sollen die zertifizierten PCF-Informationen innerhalb des ISCC-CFC-Systems weitergegeben werden, können auch nachgelagerte Händler oder Verarbeitungseinheiten eine eigene CFC-Zertifizierung benötigen.
Wird beispielsweise ein zertifizierter Rohstoff weiterverarbeitet und soll die PCF-Information weitergegeben werden, kann auch für den nachgelagerten Verarbeiter eine eigene CFC-Zertifizierung erforderlich sein.
Damit entsteht ein Rahmen, in dem PCF-Informationen nicht nur punktuell bewertet, sondern entlang definierter Lieferketten nachvollziehbar weitergegeben werden können.

Warum ist das gerade jetzt relevant?

Produktbezogene Treibhausgasinformationen gewinnen sowohl in Lieferketten als auch in der externen Kommunikation zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig haben sich die regulatorischen Anforderungen an Umweltaussagen verschärft – unter anderem durch die Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EmpCo), deren Regelungen seit dem 27. September 2026 unionsweit Anwendung finden.
In diesem Umfeld können unabhängig bewertete Product Carbon Footprints eine belastbare und transparente Grundlage für produktbezogene THG-Informationen schaffen. ISCC CFC definiert konkrete Anforderungen an die Berechnung, Bewertung und Kommunikation zertifizierter PCF-Informationen.

Wichtige Abgrenzung

Eine ISCC-CFC-Zertifizierung bestätigt den Product Carbon Footprint anhand der anwendbaren ISCC-CFC-Anforderungen. Sie stellt keine pauschale Bestätigung dar, dass jede darauf aufbauende Umwelt- oder Klimaaussage automatisch EmpCo-konform oder mit dem jeweils anwendbaren nationalen Lauterkeitsrecht vereinbar ist.
Für Aussagen unter ISCC CFC gelten spezifische Systemanforderungen. Die Kommunikation basiert insbesondere auf dem absoluten zertifizierten PCF-Wert zusammen mit den vom System geforderten Zusatzinformationen. Aussagen wie „low carbon“ oder „reduced emissions“ dürfen nicht ohne Weiteres aus dem zertifizierten PCF-Wert abgeleitet werden. Auch Benchmarks oder Referenzwerte werden im Rahmen von ISCC CFC nicht automatisch verifiziert.
Dies verdeutlicht die Unterscheidung zwischen einer zertifizierten Datengrundlage und der daraus abgeleiteten Umweltaussage – eine Abgrenzung, die auch im regulatorischen Rahmen für Umweltkommunikation zunehmend relevant ist.
Weitere Informationen zur Empowering Consumers for the Green Transition Directive und den Auswirkungen auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen finden Sie in unserem separaten Beitrag „EmpCo: Neue Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen“.
Der Zertifizierungsprozess orientiert sich unmittelbar an den Anforderungen des aktuellen ISCC CFC System Document (Version 1.4) und umfasst sechs zentrale Schritte:
  1. Prüfung der Eignung (Eligibility Check)
    DEKRA übermittelt ISCC eine Beschreibung des geplanten Zertifizierungs-Set-ups sowie des betreffenden Produkts oder Materials. Der Zertifizierungsprozess kann fortgesetzt werden, sobald ISCC die Eignung bestätigt hat.
  2. Registrierung und Auswahl der Zertifizierungsstelle
    Das Unternehmen durchläuft den ISCC-CFC-Registrierungsprozess und wählt eine unabhängige Zertifizierungsstelle.
  3. PCF-Dokumentation
    Der Systemnutzer stellt die PCF-Berechnung einschließlich der relevanten Nachweise und unterstützenden Unterlagen zur Verfügung.
  4. Technische Prüfung des PCF
    Qualifizierte GHG-/LCA-Fachleute prüfen Methodik, Emissionsfaktoren, Datenbasis und Berechnung und fordern bei Bedarf Klarstellungen oder Korrekturen an.
  5. Zertifizierungsaudit
    Im Zertifizierungsaudit werden die relevanten Informationen und Nachweise bewertet, insbesondere hinsichtlich Plausibilität und Nachvollziehbarkeit. Erforderliche Korrekturmaßnahmen müssen abgeschlossen werden.
  6. Zertifizierungsentscheidung und Zertifikat
    Nach erfolgreichem Abschluss des Audits und einer positiven, unabhängigen Zertifizierungsentscheidung wird das ISCC-CFC-Zertifikat ausgestellt. Der zertifizierte PCF kann anschließend entsprechend den anwendbaren ISCC-CFC-Anforderungen verwendet und kommuniziert werden.
ISCC-CFC-Zertifikate sind grundsätzlich zwölf Monate gültig. Relevante Life-Cycle-Inventory-Daten und – soweit anwendbar – Massenbilanzanforderungen werden jährlich überprüft. Die zugrunde liegende PCF-Berechnung muss spätestens alle drei Jahre erneut geprüft werden; bei relevanten Änderungen kann eine frühere Aktualisierung erforderlich sein.
ISCC CFC erfordert spezifische fachliche Kompetenz, insbesondere in den Bereichen Life Cycle Assessment, Product Carbon Footprinting und Treibhausgasbilanzierung, sowie die entsprechenden ISCC-spezifischen Qualifikationen.
Für DEKRA Certification bedeutet der Aufbau der Dienstleistung daher nicht nur die Entwicklung einer neuen Leistungsbeschreibung, sondern auch den Aufbau und die dauerhafte Sicherstellung der erforderlichen fachlichen Kompetenz, Auditprozesse und unabhängigen Zertifizierungsentscheidungsstrukturen.

Wie bereitet DEKRA Certification die neue Dienstleistung vor?

DEKRA Certification bereitet derzeit die fachlichen und operativen Voraussetzungen für die neue Zertifizierungsleistung vor. Dazu gehören unter anderem die Integration der ISCC-CFC-Anforderungen in bestehende Zertifizierungs- und Bewertungsprozesse, die Qualifizierung der beteiligten Auditorinnen und Auditoren sowie die fachliche, operative und marktseitige Vorbereitung der Dienstleistung.
Dabei kann DEKRA Certification auf bestehende Kompetenzen aus der Treibhausgas-Validierung und -Verifizierung sowie auf Erfahrungen mit den ISCC-Zertifizierungssystemen aufbauen. ISCC CFC ergänzt dieses Portfolio um eine spezifische Zertifizierungsleistung für produktbezogene Treibhausgasinformationen.
Für DEKRA Certification verbindet die neue Dienstleistung damit mehrere Entwicklungen, die zunehmend zusammenlaufen: Product Carbon Footprints, unabhängige Konformitätsbewertung, Lieferkettentransparenz, belastbare Umweltinformationen und steigende regulatorische Anforderungen an Umweltkommunikation – einschließlich der Anforderungen aus EmpCo.

Ausblick

DEKRA Certification entwickelt die Dienstleistung derzeit weiter und schafft die Voraussetzungen für die operative Durchführung von ISCC-CFC-Zertifizierungen. Parallel werden die entsprechenden deutsch- und englischsprachigen Produktinformationen für die DEKRA-Certification-Webseite vorbereitet.

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