Glaubwürdigkeit durch Prüfung: Die Rolle von Zertifizierung, Validierung und Verifizierung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung
Nachhaltigkeitsberichterstattung ist spätestens seit CSRD/ESRS ein strategisches Top-Thema – zuerst für große Unternehmen, die als Vorreiter neue Daten- und Governance-Strukturen sowie Prüfprozesse aufbauen (und dabei mit Rahmenbedingungen, Übergangsregeln und „beweglichen Zielen“ umgehen müssen). Gleichzeitig wirkt diese Entwicklung in die Wertschöpfungsketten hinein: Auch wenn viele KMU nicht direkt berichtspflichtig sind, treffen sie veränderte Kundenerwartungen, Anforderungen von Finanzierern, Lieferkettenvorgaben und Ausschreibungen („Trickle-Down“).
Als akkreditierte Konformitätsbewertungsstelle erläutert die DEKRA Certification GmbH Standards, Prüflogiken und regulatorische Rahmenbedingungen neutral. Das nachfolgende Gespräch verbindet zwei Perspektiven: die technische Prüfsicht von Annette Dési und die praxisnahe Sicht internationaler Unternehmen, vertreten durch Stefan Richter.
Redaktion: Stefan, starten wir bewusst bei den Großen: Was sind aktuell die größten Hürden für die „Vorreiter“?
Redaktion: Annette, viele KMU sagen: „CSRD betrifft uns doch gar nicht – warum sollten wir uns trotzdem damit beschäftigen?“
Redaktion: Stefan, wie erlebst du die Lage bei KMU-Kunden aktuell?
Redaktion: Annette, warum sind ISO 14001, ISO 50001 & Co. so relevant für Berichterstattung und Klimathemen?
Redaktion: In der CSRD tauchen die Begriffe „Limited Assurance“ und perspektivisch „Reasonable Assurance“ auf. Was ist der Unterschied – und warum ist das für Unternehmen so relevant?
Redaktion: Stefan, was bedeutet das für die Praxis – gerade bei Vorreitern und dann in der Lieferkette?
Redaktion: In der Praxis hören wir zunehmend „Zertifizierung“ und „Verifizierung“ in einem Atemzug. Daneben taucht „Validierung“ auf. Was ist der Unterschied – und warum ist das wichtig?
Redaktion: Was heißt das konkret für euch als akkreditierte Validierungs- und Verifizierungsstelle – insbesondere zur Prüftiefe?
Redaktion: Stefan, was heißt das aus Kundensicht – brauchen Unternehmen eher ISO-Zertifikate oder eher Verifizierungen? Und wo siehst du den Platz für branchen- bzw. produktkettenbezogene Systeme wie ISCC im Kontext der Renewable Energy Directive?
Redaktion: Und ganz praktisch: Wie vermeiden Unternehmen in solchen Produktionsketten die typischen Risiken – etwa Mistransfers, falsche Zuordnung und Double Counting?
Redaktion: Und was bedeutet diese Entwicklung aus Kundensicht für Kommunikation und Greenwashing-Risiken?
Redaktion: Annette, kannst du ein aktuelles Beispiel nennen, wo Harmonisierung, Transparenz und Prüfanforderungen gerade sichtbar „hochgezogen“ werden?
Redaktion: Und kommunikativ?
Redaktion: Vielen Dank, Annette und Stefan, für eure Zeit und die klaren Einblicke. Es zeigt sich deutlich, dass glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend auf belastbaren Prozessen, transparenten Methoden und Nachweisen beruht, die einer unabhängigen Prüfung standhalten.
Prüftiefen-Übersicht (normenbasiert) – Limited vs. Reasonable & Abgrenzung zu ISO-Zertifizierung und V&V
Merksatz:
- Assurance (Limited/Reasonable) beschreibt ein Sicherheitsniveau der Prüfung.
- ISO 17021-1 regelt Managementsystem-Zertifizierung (Audit, stichprobenbasiert).
- ISO 17029 regelt Validierung/Verifizierung von Claims inkl. „level of assurance“ (programm-/schemaabhängig).
| Dimension | Limited Assurance (begrenzte Sicherheit) | Reasonable Assurance (hinreichende Sicherheit) |
| Sicherheitsniveau | niedrigeres Niveau (mehr „Plausibilisierung“) | höheres Niveau (mehr Nachweise/Prüfhandlungen) |
| Typische Prüftiefe | eher analytische Verfahren, Interviews, selektive Stichproben | stärkere Detailtests, häufig intensiverer Nachweis- & Kontrollenfokus |
| Praxiswirkung | guter Einstieg, aber keine vollständige Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten bei schwachen Kontrollen | höhere Verlässlichkeit, aber deutlich höhere Anforderungen an Datenkette/IKS |