Green Deal: Maßnahmen gegen Greenwashing

25. Juli 2024Audit / Nachhaltigkeit

Am 17. Januar 2024 genehmigte das Europäische Parlament die Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den Grünen Wandel (EmpCo-RL), die vom Rat der Europäischen Union am 20. Februar 2024 bestätigt wurde.

Diese Richtlinie trat am 26. März 2024 in Kraft und muss bis zum 27. März 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Ab dem 27. September 2026 müssen die neuen Vorschriften dann angewendet werden. Ziel ist es, Greenwashing zu bekämpfen und Transparenz zu fördern, damit Verbraucher fundierte Entscheidungen treffen können.

Hintergrund und Ziele

Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sind für Verbraucher immer wichtiger, da diese zunehmend klare und wahrheitsgemäße Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen verlangen. Die neuen Richtlinien setzen genau hier an: Sie sollen Greenwashing den Kampf ansagen, die Transparenz erhöhen und es den Verbrauchern ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Während Täuschungen und irreführende Werbung rechtlich geahndet werden können und Greenwashing bereits verboten ist, schaffen die neuen Richtlinien zusätzliche Klarheit und Schutz.
So urteilte das Landgericht Karlsruhe (Az. 13 O 46/22 KfH), dass Waldschutz nicht zur Klimaneutralität führt, und das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. I-20 U 72/22) entschied, dass bei Klimaneutralitätswerbung eine genaue Aufklärung erforderlich ist.

Wichtige Änderungen und Ergänzungen

Die Green Claims Richtlinie, die am 12.März 2024 verabschiedet wurde, geht noch einen Schritt weiter, indem sie vorschreibt, dass alle nachhaltigkeitsbezogenen Werbeaussagen wissenschaftlich belegt und zertifiziert werden müssen. Ziel ist es, Greenwashing zu bekämpfen, den grünen Wandel zu fördern und die Rechtssicherheit sowie Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu verbessern.

Regulierung der Verwendung von Nachhaltigkeitssiegeln

Klarheit und weitere Einzelheiten werden hierzu die nationalen Umsetzungsgesetze bringen. Jedoch steht fest, dass Nachhaltigkeitssiegel zukünftig auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt sein müssen. In vielen Fällen sind akkreditierte Prüfgesellschaften hierfür einzuschalten. Nach der Green Claims-Richtlinie wird dies zwingend vorgeschrieben sein. Die Kompetenz und Unabhängigkeit müssen den internationalen Normen wie beispielsweise der DIN EN ISO/IEC 17065 und der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 entsprechen. Diese Neuerungen sorgen für mehr Klarheit und Glaubwürdigkeit im Bereich der Nachhaltigkeitssiegel.

Was Unternehmen beachten müssen

Das Richtlinienpaket gilt für alle Unternehmen in der EU. Gerade Umweltaussagen müssen strengen Prüfungen unterzogen und unter Umständen validiert werden, bevor sie vermarktet werden dürfen. Unternehmen sollten sich auf anerkannte internationale Standards stützen und ihre Nachhaltigkeitsberichte durch unabhängige Dritte überprüfen lassen, um rechtliche Risiken zu vermeiden.
Gerne können Sie uns für weitere Informationen kontaktieren und um zu erfahren, wie unsere Dienstleistungen zur Erfüllung der Anforderungen beitragen können, insbesondere die Validierung und Verifizierung von Treibhausgaserklärungen (Carbon Footprints) auf Organisations-, Projekt- oder Produktebene.
Hinweis
Es ist ratsam, sich frühzeitig über die neuen Anforderungen zu informieren und geeignete Maßnahmen zu treffen, um die neuen Regelungen zu erfüllen. Für detaillierte Informationen und Unterstützung, insbesondere bei der Validierung und Verifizierung von Treibhausgaserklärungen, stehen spezialisierte Dienstleister zur Verfügung.
Die neuen EU-Richtlinien gegen Greenwashing sind ein Meilenstein für Organisationen, die Nachhaltigkeit authentisch leben und kommunizieren möchten. Die neuen Richtlinien fördern Transparenz und Verlässlichkeit bei Nachhaltigkeitsangaben und schaffen neues Vertrauen bei verunsicherten Verbrauchern. Organisationen haben nun die Möglichkeit, sich glaubwürdig zu positionieren und von irreführenden Marktteilnehmern abzuheben.
Matthias Reichenbach, Projektmanager Team Nachhaltigkeit der DEKRA Certification GmbH
FAQ
Die EmpCo-Richtlinie stärkt den Verbraucherschutz, indem sie klare Anforderungen an Nachhaltigkeitsversprechen stellt und Greenwashing bekämpft. Die Green Claims Richtlinie verlangt, dass Unternehmen nachhaltigkeitsbezogene Aussagen wissenschaftlich belegen und zertifizieren lassen. Dies soll die Transparenz erhöhen und sicherstellen, dass Verbraucher informierte Entscheidungen treffen können.
Die EmpCo-Richtlinie trat am 26. März 2024 in Kraft. Unternehmen müssen die neuen Vorschriften bis zum 27. März 2026 in nationales Recht umsetzen und ab dem 27. September 2026 anwenden. Die Green Claims Richtlinie wird voraussichtlich zeitnah in Kraft treten, nach der Zustimmung des EU-Rates.
Verboten sind:
  • „Eigene“ Nachhaltigkeitssiegel ohne offizielles Zertifizierungssystem
  • Allgemeine Umweltaussagen ohne fundierten Nachweis
  • Falsche Umweltaussagen
  • Werbung mit Emissionskompensation, die keine echte Reduktion der Emissionen nachweist
  • Social Washing, also die Nutzung von Nachhaltigkeitsthemen zu Marketingzwecken ohne tatsächliche Umwelteinflüsse
  • Werbung mit zukünftigen Umweltleistungen, die noch nicht erreicht wurden
Nachhaltigkeitssiegel müssen auf anerkannten Zertifizierungssystemen basieren oder von staatlichen Stellen genehmigt sein. Akkreditierte Prüfgesellschaften müssen diese Siegel überprüfen, um sicherzustellen, dass sie internationalen Normen entsprechen, wie z.B. der DIN EN ISO/IEC 17065.
Unternehmen sollten ihre Nachhaltigkeitsangaben auf internationale Standards stützen und diese durch unabhängige Dritte validieren lassen. Es ist ratsam, sich frühzeitig über die neuen Vorschriften zu informieren, um sicherzustellen, dass alle Angaben wissenschaftlich fundiert und überprüfbar sind. Regelmäßige Prüfungen und die Einhaltung der Normen sind unerlässlich.
Unternehmen können spezialisierte Dienstleister für die Validierung und Verifizierung von Treibhausgaserklärungen und anderen Nachhaltigkeitsberichten nutzen. Diese Dienstleister helfen dabei, die neuen Anforderungen zu erfüllen, indem sie Prüfungen und Zertifizierungen gemäß den internationalen Standards durchführen.
Die Regulierung erhöht die Transparenz, indem sie sicherstellt, dass alle Nachhaltigkeitsbehauptungen objektiv, überprüfbar und öffentlich zugänglich sind. Dies fördert das Vertrauen der Verbraucher in die Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen und trägt zu einem faireren Wettbewerbsumfeld bei.
Die Einhaltung der neuen Richtlinien fördert nicht nur das Vertrauen der Verbraucher und schützt vor rechtlichen Risiken, sondern stärkt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Durch glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichte und transparente Praktiken können Unternehmen ihre Marktposition verbessern und sich als verantwortungsbewusste Marktteilnehmer positionieren.
Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den neuen Vorschriften vertraut machen und gegebenenfalls rechtlichen Rat oder Unterstützung von spezialisierten Beratern suchen. Die Implementierung eines Compliance-Programms, das die neuen Anforderungen berücksichtigt, kann helfen, die Einhaltung sicherzustellen und mögliche Risiken zu minimieren.
Einzelpersonen und Organisationen mit „berechtigtem Interesse“ können sich bei den nationalen Behörden beschweren. Verbraucher können dies über Verbraucherverbände tun. Bei Verstößen können Bußgelder und andere rechtliche Maßnahmen verhängt werden. Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass ihre Nachhaltigkeitsangaben regelmäßig überprüft und den neuen Anforderungen entsprechend angepasst werden.