Entwurf der revidierten DIN 77200-3 veröffentlicht
Praxisorientierte Weiterentwicklung des Zertifizierungsverfahrens
Mit der Veröffentlichung des Entwurfs der revidierten DIN 77200-3 „Zertifizierungsverfahren zur Konformitätsbewertung von Sicherungsdienstleistungen nach DIN 77200-1 und DIN 77200-2“ wurde ein wesentlicher Schritt zur Weiterentwicklung der Qualitäts- und Zertifizierungsanforderungen in der Sicherheitswirtschaft vollzogen. Die Einspruchsphase für den Entwurf endet am 23.03.2026. Nach Veröffentlichung der finalen Norm ist eine Übergangsfrist von 12 Monaten vorgesehen.
Zielsetzung der Revision
Ziel der Überarbeitung ist es, das Zertifizierungsverfahren deutlich praxisnäher, transparenter und handhabbarer zu gestalten sowie die Vergleichbarkeit und Rechtssicherheit zu erhöhen. Hierzu wurden Struktur, Terminologie und Berechnungslogiken gegenüber der bisherigen DIN 77200-3:2020-07 grundlegend überarbeitet. Die Revision greift dabei langjährige Rückmeldungen aus Zertifizierungsstellen, Sicherheitsunternehmen und Auditorenkreisen auf.
Zentrale Änderungen im Überblick
Aktualisierte normative Verweisungen
Die normativen Bezüge wurden insbesondere an die DIN 77200-1:2022-10 angepasst. Die DIN 77200-2 sowie relevante ISO/IEC-Normen (u. a. ISO/IEC 17065) bleiben weiterhin maßgeblich.
Strukturelle Neuausrichtung der Norm
Inhalte früherer Anhänge – etwa zu Stichprobenregelungen und Dokumentationsanforderungen – wurden in den Haupttext integriert. Die Norm ist damit klarer gegliedert und im Zertifizierungsalltag einfacher anzuwenden.
Erweiterte Begriffsdefinitionen
Der Begriffskatalog wurde deutlich präzisiert und erweitert (z. B. Auditplan, Evaluierungsplan, Richtzeit, Simulation, Leistungsbereiche), um ein einheitliches Verständnis aller Beteiligten sicherzustellen.
Vereinfachte Auditplanung und Auditzeitermittlung
Die bisherigen Mindeststunden, Faktoren und Tabellen wurden durch Richtzeiten in Audittagen (AT, 1 AT = 8 Stunden) ersetzt. Die Auditzeitermittlung erfolgt nun leistungsbereichsbezogen mit klar definierten Multiplikatoren je Leistungsort und ersetzt die bislang komplexen Berechnungsmodelle.
Vereinheitlichte Stichprobenregelungen
Die Stichprobenermittlung für SMA-Akten und Leistungsorte wurde zentral im Normtext geregelt. Klare Formeln, Mindest- und Maximalwerte sorgen für Transparenz, Vergleichbarkeit und einen angemessenen Prüfaufwand bei Erst-, Überwachungs- und Rezertifizierungsaudits.
Praxisnahe Vor-Ort-Prüfung durch Simulationen
Neu ist die Möglichkeit, bei bestimmten Sicherungsdienstleistungen (z. B. Revier-, Interventions-, Veranstaltungsdienste) Simulationen oder Referenz- bzw. Musterobjekte heranzuziehen, sofern eine reale Vor-Ort-Prüfung nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.
Klare Fristenlogik für Überwachungs- und Rezertifizierungsaudits
Überwachungsaudits sind künftig jährlich innerhalb von 365 Tagen ab Zertifizierungsentscheidung durchzuführen. Fristüberschreitungen führen zum Abbruch des Zertifizierungsverfahrens und machen eine erneute Erstzertifizierung erforderlich. Die Rezertifizierung dient weiterhin der nahtlosen Verlängerung der dreijährigen Zertifikatslaufzeit und ist spätestens drei Monate vor Ablauf des Zertifikats durchzuführen.
Präzisierter Umgang mit Nichtkonformitäten
Für die Beseitigung von Abweichungen gilt eine Frist von 90 Tagen. Nach Fristablauf erfolgt die Aussetzung des Zertifikats, optional mit begrenzter Verlängerung. Erfolgt keine fristgerechte Abstellung, ist der Entzug des Zertifikats vorgesehen.
Erweiterte Dokumentations- und Nachweispflichten
Die vorzulegenden Nachweise wurden erweitert und zeitlich vor die Auditdurchführung verlagert, um die Effizienz der Audits zu erhöhen und Rückfragen zu reduzieren.
Bedeutung für Sicherheitsunternehmen und Zertifizierungsstellen
Der Entwurf der DIN 77200-3 stellt eine konsequente Weiterentwicklung des Zertifizierungsverfahrens dar. Er bringt mehr Planungssicherheit, höhere Vergleichbarkeit und eine spürbare Entlastung in der praktischen Umsetzung, ohne das Schutzniveau der Norm abzusenken. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an ein strukturiertes Fristen- und Dokumentenmanagement. Sicherheitsunternehmen und Zertifizierungsstellen sollten die laufende Einspruchsphase sowie die anschließende Übergangsfrist nutzen, um Auditplanung, Prozesse und Dokumentation frühzeitig an die neuen Anforderungen anzupassen und sich strategisch auf die finale Norm vorzubereiten